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Analdrüsen beim Hund: was die Fütterung damit zu tun hat

Die Analdrüsen entleeren sich normalerweise von selbst, wenn beim Kotabsatz genug Druck auf sie wirkt. Bleibt der Kot zu weich oder zu klein im Volumen, fehlt dieser Druck. Deshalb steht in der Fachliteratur beim Thema Rückfälle immer wieder ein Wort: Ballaststoffe. Wie viel davon im Napf Ihres Hundes tatsächlich ankommt, rechnen Sie hier aus.

Zuerst das Wichtigste: Diese Seite ist die Fütterungsseite. Sie ersetzt keinen Besuch in der Tierarztpraxis. Bitte zeitnah untersuchen lassen, wenn eines davon zutrifft:

  • Schwellung, Rötung, eine offene Stelle oder Blut neben dem After
  • Der Hund hat sichtbar Schmerzen, jault beim Kotabsatz oder lässt sich hinten nicht mehr anfassen
  • Fieber, Mattigkeit oder Futterverweigerung kommen dazu
  • Der Hund drückt vergeblich, setzt keinen Kot mehr ab oder hat sichtbar Blut im Kot
  • Eine derbe, nicht ausdrückbare Verhärtung neben dem After, besonders bei älteren Hunden
  • Es wird trotz aller Bemühungen immer wieder akut

Wir behandeln nicht und stellen keine Diagnosen. Was hier steht, ist die Seite über das Futter.

Was die Analdrüsen überhaupt sind

Links und rechts neben dem After sitzt je ein kleiner Beutel unter der Haut. Fachlich heißen sie Analbeutel, im Alltag sagt fast jeder Analdrüsen. Ihre Innenwand bildet ein stark riechendes Sekret, das über einen feinen Ausführungsgang direkt am Afterrand austritt.

Der entscheidende Satz für diese Seite: Nach der Darstellung des Riney Canine Health Center an der Cornell University College of Veterinary Medicine wird dieses Sekret unter normalen Umständen dann abgegeben, wenn beim Kotabsatz Druck auf die Beutel wirkt. Der Hund braucht dafür keine Hilfe. Er braucht Kot, der fest genug ist und genug Volumen hat, um im Vorbeigehen zu drücken.

Wozu das Ganze gut ist, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Am wahrscheinlichsten gilt eine Rolle als Duftmarke im Revier. Fürs Verständnis reicht: Es ist kein Abfallprodukt, das weg muss, sondern ein Sekret, dessen Abfluss von der Mechanik beim Kotabsatz abhängt.

Woran Sie ein Problem erkennen

Das bekannteste Zeichen ist das Schlittenfahren: Der Hund zieht den Hintern über Teppich, Rasen oder Fliesen. Es ist ein gutes Zeichen, weil es früh kommt, und ein schlechtes, weil viele Halter es für eine Marotte halten oder für Würmer.

ZeichenWas dahintersteckt
Schlittenfahren über den BodenDer Hund versucht, den Druck loszuwerden
Ständiges Lecken oder Knabbern unter der RuteJuckreiz und Druckgefühl an derselben Stelle
Fischiger, strenger Geruch, Flecken auf dem LiegeplatzSekret tritt unkontrolliert aus
Drücken, Pressen, Zögern beim KotabsatzFachlich Tenesmus und Dyschezie, ein Schmerzzeichen
Rute wird tief getragen, Hund ist hinten berührungsempfindlichSchmerz, gehört in die Praxis
Schwellung, Rötung oder offene Stelle neben dem AfterKein Fütterungsthema mehr, das muss heute angesehen werden

Zeichenliste nach dem MSD Veterinary Manual, Fachausgabe, Kapitel Anal Sac Disease in Dogs and Cats, zuletzt vollständig überarbeitet im August 2025 durch Alex Gallagher, DVM, MS, DACVIM, und nach dem Riney Canine Health Center der Cornell University College of Veterinary Medicine.

Wie häufig das wirklich ist

Im Netz steht dazu meistens ein Gefühl. Es gibt aber eine Zahl, und sie stammt aus einer der größten Auswertungen, die es zu Hunden in Erstversorgungspraxen gibt.

4,40 Prozent der Hunde innerhalb eines Jahres.

Ausgewertet wurden 104.212 Hunde in 110 britischen Tierarztpraxen über das Jahr 2013. Das ist die Ein-Jahres-Häufigkeit für nicht bösartige Analbeutel-Erkrankungen, mit einem statistischen Vertrauensbereich von 4,22 bis 4,57 Prozent.

Quelle: O’Neill und Kollegen, Royal Veterinary College London, VetCompass-Programm, veröffentlicht 2021 im Veterinary Record.

Rund jeder zwanzigste Hund also, in einem einzigen Jahr. Zwei weitere Zahlen aus derselben Auswertung ordnen ein, wie ernst die Fälle sind: 20,2 Prozent der betroffenen Hunde bekamen ein Antibiotikum, 12,0 Prozent ein Schmerzmittel. Operativ entfernt wurden die Beutel bei weniger als einem Prozent. Das ist die gute Nachricht in diesen Zahlen: Der allergrößte Teil wird ohne Operation beherrscht.

Die Autorinnen und Autoren nennen das Thema im selben Atemzug ein vernachlässigtes Forschungsgebiet. Das erklärt, warum es zu vielen Detailfragen bis heute keine belastbaren Studien gibt, auch nicht zur Fütterung. Wer Ihnen dazu eine Zahl mit Komma verspricht, hat sie nicht.

Welche Hunde häufiger betroffen sind, und wo sich die Quellen widersprechen

Hier wird es interessant, weil wir beim Nachlesen auf einen Widerspruch gestoßen sind, den die meisten Ratgeber gar nicht bemerken.

Einig sind sich alle beim Körperbau: Kleine Hunde sind häufiger betroffen als große. In der britischen Auswertung hatten kurznasige Hunde die 2,6-fache Chance auf eine Analbeutel-Erkrankung gegenüber langnasigen. Erhöht war das Risiko dort unter anderem für Cavalier King Charles Spaniel, King Charles Spaniel, Cockapoo, Shih Tzu, Bichon Frisé und Cocker Spaniel.

Uneinig sind sie beim Deutschen Schäferhund. In der britischen Auswertung von 104.212 Hunden gehört er zu den Rassen mit vermindertem Risiko, zusammen mit Labrador Retriever, Border Collie, Staffordshire Bullterrier, Lurcher und Boxer. Das Riney Canine Health Center der Cornell University schreibt dagegen, unter den großen Rassen sei der Deutsche Schäferhund überrepräsentiert.

Was wir daraus machen: Wir nennen Ihnen keine Rasseliste als Wahrheit. Eine Rasse ist ein Anhaltspunkt, kein Urteil, und bei einem einzelnen Hund sagt sie ohnehin wenig. Nützlicher ist das, was Sie selbst beeinflussen können, und das steht weiter unten.

Warum die Fütterung überhaupt hineinspielt

Die Kette ist kurz und ohne Umwege:

1. Kot mit VolumenAusreichend geformter Kot mit Volumen drückt beim Absetzen von innen gegen die Beutel.
2. Druck entleertDieser Druck presst das Sekret durch den feinen Gang nach außen. Das ist der normale Weg.
3. Kein Druck, kein AbflussBleibt der Kot dauerhaft weich oder klein im Volumen, staut sich das Sekret, dickt ein und der Gang verstopft.

Genau an dieser Stelle taucht in den Fachquellen der Hebel auf. Das MSD Veterinary Manual formuliert es in der Fachausgabe so, sinngemäß übersetzt: Zusätzliche Ballaststoffe im Futter können das Kotvolumen erhöhen und damit das Zusammendrücken und Entleeren der Analbeutel beim Kotabsatz erleichtern. Das Riney Canine Health Center der Cornell University nennt eine ballaststoffarme Fütterung ausdrücklich unter den Risikofaktoren, neben Übergewicht, chronischem Durchfall, Verstopfung und allergischen Hauterkrankungen.

Es gibt dazu auch eine kontrollierte Studie. In der Fachzeitschrift Veterinary Dermatology erschien 2025 ein Feldversuch mit 35 Hunden, die schon einmal verstopfte Analbeutel hatten. 22 bekamen 90 Tage lang ein Ergänzungsfuttermittel mit Ballaststoffen und einem Bakterienstamm, 13 bekamen nichts. Als Misserfolg zählte, wenn die Beutel wieder von Hand entleert werden mussten. Nach 120 Tagen lag die Misserfolgsquote in der unbehandelten Gruppe bei 61,5 Prozent, in der behandelten bei 19 Prozent.

Und jetzt die Einordnung, die Sie sonst nirgends dazu bekommen: Diese Studie umfasst 35 Hunde, das ist wenig. Sie hatte keine Scheinbehandlung, die unbehandelte Gruppe bekam schlicht nichts. Und die drei Autorinnen und Autoren arbeiten für das Unternehmen, das ein solches Produkt herstellt. Das macht die Studie nicht wertlos, aber es macht sie zu einem Hinweis und nicht zu einem Beweis.

Wir sagen Ihnen deshalb nicht, dass Ballaststoffe das Problem lösen. Wir sagen: Es ist der eine Punkt, an dem die Fütterung überhaupt ansetzen kann, und er ist einen ehrlichen Blick wert.

Der blinde Fleck: die Zahl auf dem Etikett ist nicht vergleichbar

Wer jetzt nachsehen will, wie viel Rohfaser sein Futter hat, findet die Zahl auf der Verpackung unter der analytischen Zusammensetzung. Und läuft sofort in eine Falle.

Die Angabe auf dem Etikett bezieht sich auf das Futter so, wie es im Napf liegt, samt Wasser. Ein Trockenfutter enthält rund 9 Prozent Wasser, ein Feuchtfutter rund 79 Prozent. Dieselbe Zahl auf zwei Etiketten bedeutet deshalb völlig verschiedene Dinge. Vergleichbar wird es erst, wenn man das Wasser herausrechnet und die Rohfaser in der Trockenmasse angibt.

Ein Beispiel, das den Unterschied zeigt: Ein Feuchtfutter mit 79 Prozent Wasser und 0,5 Prozent Rohfaser laut Etikett hat in der Trockenmasse 2,4 Prozent Rohfaser. Ein Trockenfutter mit 9 Prozent Wasser und 2,5 Prozent laut Etikett kommt auf 2,7 Prozent. Auf dem Etikett steht die eine Zahl fünfmal so hoch wie die andere. In Wahrheit liegen die beiden Futter fast gleichauf.

Deshalb dieser Rechner. Er nimmt die zwei Zahlen von Ihrem Etikett und sagt Ihnen, was davon im Hund ankommt.

Rohfaser-Rechner: was im Napf Ihres Hundes wirklich ankommt

Die beiden Zahlen stehen auf der Verpackung unter analytische Bestandteile. Die Feuchtigkeit ist mit einem üblichen Wert vorbelegt, bitte übernehmen Sie sie vom Etikett, wenn sie dort angegeben ist.






Tragen Sie Menge und Rohfaser ein
Das Ergebnis erscheint sofort.

Was der Rechner nicht kann: Es gibt für Rohfaser keinen offiziellen Bedarfswert, an dem sich ein Ergebnis als richtig oder falsch messen ließe. Der Rechner macht Ihr Futter vergleichbar und ordnet es an der einzigen Schwelle ein, die in den europäischen Leitlinien überhaupt genannt wird. Was daraus für Ihren Hund folgt, gehört in ein Gespräch, nicht in eine Formel.

Wo diese Schwelle herkommt, und was sie bedeutet

Wir haben nachgesehen, statt eine Zahl zu übernehmen. Maßgeblich für Fertigfutter in Europa sind die Ernährungsleitlinien der FEDIAF, des europäischen Heimtiernahrungsverbands. Wir haben die Ausgabe vom September 2025 durchgesehen, 98 Seiten.

Erster Befund, und er überrascht viele: In den Empfehlungstabellen für Hundefutter steht keine einzige Zeile zu Rohfaser. Protein, Fett, Aminosäuren, Mineralstoffe, Vitamine, alles mit Mindest- und Höchstwerten. Ballaststoffe kommen dort nicht vor, weil sie kein lebensnotwendiger Nährstoff sind. Wer Ihnen sagt, Ihr Futter habe zu wenig Rohfaser, misst das an keiner offiziellen Vorgabe.

Zweiter Befund: Eine einzige Schwelle nennt das Dokument doch, und zwar im Kapitel zur Energieberechnung. Dort steht: Bei Hundefuttern mit einem Rohfasergehalt über 8 Prozent in der Trockenmasse und zugleich einem hohen Anteil fermentierbarer Fasern kann die Schätzformel den Energiegehalt unterschätzen. Das ist eine technische Grenze der Formel, keine Definition von faserreich und kein Zielwert. Genau diese 8 Prozent nutzt der Rechner deshalb nur als Orientierungsmarke.

Dritter Befund, und daraus rechnet der Rechner: Für Hunde gibt dieselbe Leitlinie eine Formel an, mit der die Energieverdaulichkeit eines Futters geschätzt wird. Sie lautet 91,2 minus 1,43 mal dem Rohfaseranteil in der Trockenmasse. Ein Prozentpunkt mehr Rohfaser senkt die Energieverdaulichkeit also rechnerisch um gut anderthalb Prozentpunkte. Der Anteil, der nicht verdaut wird, bleibt im Darm und wird zu dem, worum es hier die ganze Zeit geht: Kotvolumen.

Das ist der ganze Zusammenhang in einem Satz: Ballaststoffe wirken hier nicht über den Stoffwechsel, sondern über die Menge. Und der einzige Weg, diese Menge zu vergleichen, führt über die Trockenmasse.

Was Ballaststoffe nicht können

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, drei klare Grenzen:

SituationHilft mehr Rohfaser?
Beutel ist bereits verstopft, entzündet oder abszediertNein. Das gehört heute in die Praxis, kein Futter macht das rückgängig
Derbe, nicht ausdrückbare Verhärtung, oft beim älteren HundNein. Das muss abgeklärt werden, dahinter kann etwas Ernstes stecken
Anatomisch enger oder ungünstig liegender AusführungsgangKaum. Das ist Mechanik, keine Ernährung
Immer wiederkehrende Fälle, dazwischen geht es dem Hund gutHier setzt die Fütterung an, gemeinsam mit der Praxis
Dauerhaft weicher Kot, wechselnde KonsistenzHier lohnt der Blick auf den Napf zuerst
ÜbergewichtIndirekt. Übergewicht steht in beiden Fachquellen als Risikofaktor

Bleibt der Kot dauerhaft weich, ist das eine eigene Baustelle und die gehört zuerst geklärt. Was dabei hilft und wann es in die Praxis gehört, steht auf unserer Seite zur Schonkost.

Und noch etwas, das gern untergeht: Mehr Rohfaser ist nicht automatisch besser. Rohfaser verdünnt die Energie im Futter. Wer sie stark erhöht, ohne die Menge anzupassen, füttert seinen Hund unbemerkt knapper. Wie groß die Tagesration Ihres Hundes überhaupt sein sollte, rechnen Sie mit unserem Futtermengen-Rechner aus.

Der Kot ist Ihr bestes Messgerät

Sie brauchen kein Labor, um zu beurteilen, ob die Fütterung in die richtige Richtung geht. Sie brauchen zwei Wochen und einen Blick auf das, was hinten herauskommt.

Was Sie sehenWas das für die Analbeutel heißt
Fest, geformt, hinterlässt beim Aufnehmen keine SpurGenug Druck beim Absetzen, das ist das Ziel
Geformt, aber weich, verliert beim Aufnehmen die FormGrenzfall, beobachten
Breiig bis flüssig, immer wiederZu wenig Druck. Chronischer Durchfall gilt als Risikofaktor und gehört abgeklärt
Sehr hart, trocken, Hund muss drückenAuch das ist ungünstig, Verstopfung steht ebenfalls unter den Risikofaktoren
Auffällig kleine Häufchen bei normaler FuttermengeSehr hoch verdauliches Futter mit wenig Rohfaser, genau der Fall für den Rechner oben

Chronischer Durchfall, Verstopfung, Übergewicht und allergische Hauterkrankungen werden vom Riney Canine Health Center der Cornell University als Risikofaktoren für Analbeutel-Erkrankungen genannt.

Ausdrücken lassen: sinnvoll, aber keine Dauerlösung

Sind die Beutel verstopft, werden sie in der Praxis von Hand entleert. Das ist richtig und schafft dem Hund sofort Erleichterung. Nur ist es eine Reparatur, keine Ursache.

Zwei Punkte, die uns wichtig sind, und beide ohne erhobenen Zeigefinger:

Erstens gehört das in fachkundige Hände. Anleitungen aus dem Netz, nach denen man das selbst macht, ersparen einen Termin und können bei einem entzündeten Beutel Schaden anrichten. Wenn Ihr Hund das häufiger braucht, lassen Sie sich das in Ihrer Praxis zeigen, statt es aus einem Video zu lernen.

Zweitens ist regelmäßiges Ausdrücken auf Verdacht bei einem beschwerdefreien Hund keine Vorsorge. Wenn ein Hund das mehrfach im Jahr braucht, ist die eigentliche Frage, warum die natürliche Entleerung nicht funktioniert. Und diese Frage führt zurück zum Napf, zum Gewicht und zur Kotbeschaffenheit.

So gehen Sie jetzt vor

1. Warnzeichen prüfenDer Kasten ganz oben. Trifft etwas zu, ist die Praxis dran und nicht der Napf.
2. Etikett lesen und rechnenRohfaser und Feuchtigkeit in den Rechner. Jetzt wissen Sie, wo Ihr Futter wirklich steht.
3. Zwei Wochen beobachtenKotbeschaffenheit, Häufigkeit, Schlittenfahren. Notieren Sie es, das Gedächtnis täuscht.
4. Gemeinsam draufschauenMit den Zahlen und Ihren Beobachtungen gehen wir die Fütterung mit Ihnen durch, kostenlos und unverbindlich.

Häufige Fragen

Warum rutscht mein Hund mit dem Po über den Boden?

Das sogenannte Schlittenfahren ist das häufigste Zeichen für volle oder entzündete Analbeutel. Der Hund versucht, den Druck loszuwerden. Weitere typische Zeichen sind ständiges Lecken unter der Rute, ein fischiger Geruch und Zögern oder Pressen beim Kotabsatz. Da auch Würmer, Juckreiz oder eine Hauterkrankung dahinterstecken können, gehört die Ursache einmal tierärztlich abgeklärt.

Wie häufig sind Analdrüsen-Probleme beim Hund?

In einer Auswertung von 104.212 Hunden aus 110 britischen Tierarztpraxen lag die Ein-Jahres-Häufigkeit nicht bösartiger Analbeutel-Erkrankungen bei 4,40 Prozent, also bei etwa jedem zwanzigsten Hund innerhalb eines Jahres. 20,2 Prozent der betroffenen Hunde bekamen ein Antibiotikum, weniger als ein Prozent wurde operiert. Die Daten stammen vom VetCompass-Programm des Royal Veterinary College London, veröffentlicht 2021 im Veterinary Record.

Hilft Futter mit mehr Ballaststoffen bei Analdrüsen-Problemen?

Die Analbeutel entleeren sich normalerweise durch den Druck beim Kotabsatz. Das MSD Veterinary Manual nennt zusätzliche Ballaststoffe als Möglichkeit, das Kotvolumen zu erhöhen und dieses Entleeren zu erleichtern. Ein bereits verstopfter, entzündeter oder abszedierter Beutel wird dadurch nicht behandelt, das gehört in die Tierarztpraxis. Bei wiederkehrenden Fällen ist die Fütterung dagegen einer der wenigen Punkte, an denen Sie selbst etwas verändern können.

Wie viel Rohfaser sollte Hundefutter haben?

Einen offiziellen Bedarfswert gibt es nicht. In den Ernährungsleitlinien der FEDIAF, Ausgabe September 2025, kommt Rohfaser in den Empfehlungstabellen für Hundefutter überhaupt nicht vor, weil sie kein lebensnotwendiger Nährstoff ist. Genannt werden dort nur 8 Prozent Rohfaser in der Trockenmasse als technische Grenze, ab der die Formel zur Schätzung der Energieverdaulichkeit ungenau werden kann. Eine Definition von faserreich ist das nicht. Entscheidend ist deshalb nicht ein Zielwert, sondern der Vergleich, und der geht nur über die Trockenmasse.

Warum kann ich die Rohfaser-Angaben auf zwei Verpackungen nicht direkt vergleichen?

Weil die Angabe sich auf das Futter samt Wasser bezieht. Trockenfutter enthält rund 9 Prozent Wasser, Feuchtfutter rund 79 Prozent. Ein Feuchtfutter mit 0,5 Prozent Rohfaser laut Etikett hat in der Trockenmasse 2,4 Prozent, ein Trockenfutter mit 2,5 Prozent laut Etikett kommt auf 2,7 Prozent. Auf dem Etikett unterscheiden sich die Zahlen um das Fünffache, in Wahrheit liegen beide Futter fast gleichauf. Der Rechner auf dieser Seite nimmt Ihnen die Umrechnung ab.

Welche Hunde sind besonders betroffen?

Kleine Hunde häufiger als große, darin sind sich die Quellen einig. In der britischen Auswertung hatten kurznasige Hunde die 2,6-fache Chance gegenüber langnasigen, erhöht war das Risiko unter anderem für Cavalier King Charles Spaniel, Cockapoo, Shih Tzu, Bichon Frisé und Cocker Spaniel. Bei einzelnen Rassen widersprechen sich die Quellen allerdings: Der Deutsche Schäferhund gilt in der britischen Auswertung als seltener betroffen, das Riney Canine Health Center der Cornell University führt ihn dagegen als unter den großen Rassen überrepräsentiert.

Soll ich die Analdrüsen meines Hundes selbst ausdrücken?

Davon raten wir ab. Bei einem entzündeten Beutel kann das Schaden anrichten, und die Beurteilung, ob überhaupt ein Problem vorliegt, gehört in fachkundige Hände. Braucht Ihr Hund das häufiger, lassen Sie es sich in Ihrer Tierarztpraxis zeigen. Regelmäßiges Ausdrücken bei einem beschwerdefreien Hund ist außerdem keine Vorsorge, sondern verdeckt die Frage, warum die natürliche Entleerung nicht funktioniert.

Was kostet die Futterberatung bei Ihnen?

Nichts. Sie ist kostenlos und unverbindlich, auch wenn Sie danach nichts bestellen.

Wir schauen uns den Napf gemeinsam an

Wenn die Analbeutel immer wieder Thema sind und in der Praxis nichts gefunden wird, was dahintersteckt, dann bleibt die Fütterung. Genau da schauen wir mit Ihnen hin: was Ihr Hund bekommt, wie viel davon, wie der Kot aussieht, was nebenher mitläuft. Bringen Sie gern Ihr Ergebnis aus dem Rechner mit.

Kostenlos und unverbindlich. Ihre Anfrage geht an eine Beraterin oder einen Berater aus unserem Team. In unserem Team arbeiten Ernährungsberater, Tierärztinnen und Tierärzte, Tierphysiotherapeuten, Tierheilpraktiker und Züchter. Wir behandeln nicht und stellen keine Diagnosen, das bleibt bei Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.