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Kaltgepresstes Hundefutter: was davon stimmt und was nicht

Kaltgepresstes Trockenfutter wird bei niedrigerer Temperatur gepresst statt bei hohem Druck und Hitze aufgeschäumt. Ob Ihr Hund es besser verträgt, entscheidet aber nicht das Pressen, sondern ob die Stärke darin aufgeschlossen ist. Wie viel Stärke in Ihrem Futter steckt, rechnen Sie hier aus den Angaben auf der Packung aus.

Was kaltgepresst überhaupt bedeutet

Der übliche Weg zu Trockenfutter heißt Extrusion. Die Leitlinien des europäischen Heimtiernahrungsverbands FEDIAF beschreiben ihn als Verfahren, bei dem die Zutaten in einem Rohr durch eine Kombination aus Feuchtigkeit, Druck, Hitze und mechanischer Scherung umgewandelt werden. Am Ende der Düse fällt der Druck ab, das Wasser verdampft schlagartig, und die Krokette bläht sich auf. Daher kommt die typische leichte, poröse Struktur.

Kaltgepresstes Futter wird stattdessen gepresst wie eine Tablette. Es entsteht Reibungswärme, aber es fehlt der Aufschäum-Effekt. Die Kroketten sind dichter, schwerer und zerfallen im Wasser eher, statt sich vollzusaugen.

Die Bezeichnung ist nicht rechtlich geschützt und nicht Teil der Pflichtangaben. Was ein Hersteller kalt nennt, ist seine eigene Festlegung. Genau deshalb ist die Frage weiter unten wichtiger als das Wort auf der Tüte.

Der Widerspruch, der in fast jedem Ratgeber steht

Wir haben die meistgelesenen deutschsprachigen Ratgeber zu diesem Thema durchgesehen. Auffällig ist, dass sich mehrere davon innerhalb desselben Textes widersprechen:

Was behauptet wirdUnd im selben Text auch
Kaltgepresstes ist leichter verdaulichBei niedrigen Temperaturen werden Eiweiß und Kohlenhydrate nur teilweise aufgeschlossen, das Futter ist also weniger leicht verdaulich
Nährstoffe bleiben besser erhaltenOhne Angabe, um welche Nährstoffe und um wie viel
Es quillt nicht auf und ist deshalb magenschonendOhne Beleg, dass Quellverhalten im Napf und im Magen dasselbe sind

Beides gleichzeitig kann nicht stimmen. Also haben wir nachgesehen, was dazu tatsächlich gemessen wurde.

Worauf es wirklich ankommt: der Aufschlussgrad der Stärke

Getreide und andere Kohlenhydratträger enthalten Stärke. Roh ist sie für den Hund schwer zu verdauen. Erst wenn sie unter Hitze und Feuchtigkeit aufgeschlossen wird, kommen die Verdauungsenzyme an sie heran. Fachlich heißt das Verkleisterung.

Genau hier liegt der Punkt: Extrusion schließt Stärke auf. Pressen allein tut das nicht. Eine Arbeitsgruppe der Kansas State University hat das an einer Anlage im Produktionsmaßstab gezeigt: Je weniger mechanische Energie eingesetzt wurde, desto geringer war der Aufschluss und desto mehr unverdauliche Stärke blieb übrig. Der Zusammenhang war durchgehend, nicht zufällig.

Das heißt aber nicht, dass kaltgepresstes Futter automatisch schlechter verdaulich ist. Es kommt darauf an, ob die Kohlenhydrate vor dem Pressen aufgeschlossen wurden. Genau das machen viele Hersteller: Sie verarbeiten bereits aufgeschlossenes Getreide und pressen es anschließend kalt. Auf der Packung steht das dann als aufgeschlossenes oder hydrothermisch behandeltes Getreide.

Was die Untersuchung mit 53 Hunden zeigt

Die bisher deutlichste Messung dazu stammt von einer Arbeitsgruppe der Universidade Estadual Paulista in Brasilien, veröffentlicht 2025 im Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition. Dieselbe Rezeptur wurde dreimal unterschiedlich verarbeitet und an 53 Hunde aus drei Rassen verfüttert, über 23 Tage.

Aufschlussgrad der StärkeErgebnis
91,8 ProzentBeste Verdaulichkeit der Nährstoffe
50,7 ProzentDazwischen
27,4 ProzentSchlechteste Verdaulichkeit, dazu weichere Kotkonsistenz

Beteiligt waren 15 Rottweiler, 18 Beagle und 20 Shih Tzu. Interessant für große Hunde: Deren Kotqualität war insgesamt schlechter als die der kleinen, und schlecht aufgeschlossene Stärke hat das zusätzlich verstärkt.

Einordnung, ausdrücklich: Diese Untersuchung hat unterschiedlich stark aufgeschlossene Rezepturen verglichen, nicht kaltgepresst gegen extrudiert. Sie beantwortet die Frage, worauf es ankommt, nicht die Frage, welches Herstellungsverfahren gewinnt. Wer sie als Beleg gegen Kaltpressung anführt, überdehnt sie.

Wie viel Stärke steckt in Ihrem Futter?

Jetzt kommt der unangenehme Teil: Der Stärkegehalt steht auf keiner Packung. Eine Arbeitsgruppe der Kansas State University hat 2020 zwanzig handelsübliche Futter untersucht und dazu festgehalten, dass Stärke für Hunde kein lebensnotwendiger Nährstoff ist und deshalb nicht deklariert werden muss.

Dieselbe Arbeit nennt aber den Ausweg: Die stickstofffreien Extraktstoffe, kurz NfE, sind ein guter Schätzer für den Gesamtstärkegehalt. Und NfE lässt sich aus den Pflichtangaben ausrechnen, die auf jeder Packung stehen.

Die Rechnung ist schlicht: Alles, was in den analytischen Bestandteilen nicht als Eiweiß, Fett, Faser, Asche oder Wasser aufgeführt ist, sind stickstofffreie Extraktstoffe. Also überwiegend Stärke und Zucker.

Stärkeanteil aus der Packung ausrechnen

Tragen Sie die analytischen Bestandteile ein, so wie sie auf Ihrer Packung stehen. Der Rechner funktioniert für jedes Futter, ob kaltgepresst, extrudiert oder nass.






Tragen Sie die Werte von der Packung ein
Das Ergebnis erscheint sofort.

Was der Rechner daraus macht:

Zur Einordnung: Die stickstofffreien Extraktstoffe sind eine Schätzung für Stärke und Zucker zusammen, keine Messung. Sie sagen nichts darüber, wie gut diese Stärke aufgeschlossen ist. Genau das ist die Frage, die Sie dem Hersteller stellen können.

Womit gerechnet wird. Die stickstofffreien Extraktstoffe ergeben sich als Rest aus den Pflichtangaben. Der Energiegehalt folgt der Formel der FEDIAF-Leitlinien von 2024, Kapitel 7.2.2: 4 Kilokalorien je Prozent Rohprotein, 9 je Prozent Rohfett, 4 je Prozent NfE. Das ist eine Schätzformel, die Herstellerangabe auf der Packung kann davon abweichen. Dass NfE ein brauchbarer Schätzer für den Gesamtstärkegehalt ist, stammt aus der genannten Arbeit der Kansas State University von 2020.

Was die Zahl bedeutet, und was nicht

Ein hoher Stärkeanteil ist nicht automatisch schlecht. Stärke ist eine brauchbare Energiequelle, und Hunde verdauen sie gut, wenn sie aufgeschlossen ist. Die Zahl wird erst dann interessant, wenn Sie sie mit der Frage nach dem Aufschluss verbinden. Bei einem kaltgepressten Futter mit hohem Stärkeanteil ist genau das die Frage, die zählt.

Woran Sie erkennen, ob wirklich kalt gepresst wurde

MerkmalWas es Ihnen sagt
Die Krokette sinkt im Wasserglas und zerfällt langsamSpricht für gepresst. Extrudiertes schwimmt eher und saugt sich voll
Dunkle, dichte, gleichmäßig geformte KrokettenTypisch für gepresst
Die Packung nennt aufgeschlossenes oder hydrothermisch behandeltes GetreideDer Hersteller hat die Stärkefrage gelöst, bevor gepresst wurde
Nur das Wort kaltgepresst, sonst keine Angabe zur Behandlung der KohlenhydrateDann bleibt offen, wie gut die Stärke aufgeschlossen ist. Nachfragen lohnt

Der Wasserglas-Test ist ein Hausmittel und kein Laborverfahren. Er zeigt die Struktur, nicht die Verdaulichkeit. Aussagekräftiger ist die Zutatenliste.

Haltbarkeit: der Punkt, der wirklich anders ist

Hier sind sich alle einig, und es ist nachvollziehbar: Kaltgepresstes Futter ist kürzer haltbar. Die niedrigere Temperatur bedeutet weniger Keimreduktion, und die höhere Dichte bedeutet mehr Fett an der Oberfläche, das ranzig werden kann.

Für die Praxis heißt das: kleinere Gebinde kaufen, kühl und trocken lagern, nach dem Öffnen zügig verbrauchen, das Mindesthaltbarkeitsdatum ernst nehmen. Wer für einen kleinen Hund den großen Sack kauft, spart am falschen Ende.

Umstellung: langsam, und mit Blick auf die Menge

Zwei Dinge ändern sich beim Wechsel auf kaltgepresstes Futter, und beide werden regelmäßig übersehen.

Erstens die Menge. Kaltgepresste Kroketten sind dichter. Dasselbe Volumen im Messbecher wiegt mehr. Wer nach Becher füttert statt nach Gramm, füttert nach der Umstellung unbemerkt mehr. Wie viel Ihr Hund tatsächlich braucht, rechnen Sie mit unserem Futtermengen-Rechner aus.

Zweitens das Tempo. Wie bei jedem Futterwechsel gehört der Übergang über mehrere Tage gestreckt, sonst antwortet der Darm. Wie das abläuft und was bei Durchfall zu tun ist, steht in unserem Beitrag zu Durchfall beim Hund.

TagAnteil neues FutterAnteil gewohntes Futter
Tag 1 und 225 %75 %
Tag 3 und 450 %50 %
Tag 5 und 675 %25 %
Ab Tag 7100 %0 %

Kaltgepresst oder extrudiert: die ehrliche Antwort

Es gibt keine Untersuchung, die eines der beiden Verfahren pauschal zum Sieger erklärt. Was es gibt, ist der belegte Zusammenhang zwischen Stärkeaufschluss und Verdaulichkeit. Daraus folgt eine unbequeme, aber brauchbare Regel:

Ein gut gemachtes kaltgepresstes Futter mit aufgeschlossenen Kohlenhydraten ist ein gutes Futter.

Ein kaltgepresstes Futter, das mit rohem Getreide arbeitet und sich auf das Wort kalt verlässt, ist es nicht.

Dasselbe gilt umgekehrt für extrudiertes Futter. Das Verfahren allein sagt Ihnen wenig, die Zutatenliste und der Umgang mit den Kohlenhydraten sagen viel.

Was für Ihren Hund am Ende zählt, sehen Sie ohnehin an ihm selbst: Kotqualität, Fell, Energie, Gewicht. Diese Gegenprobe schlägt jede Verfahrensdiskussion. Wie sie geht, steht auf unserer Seite zum Futter im Test.

Häufige Fehler bei kaltgepresstem Futter

Besser nichtWarum
Nach Becher füttern statt nach GrammKaltgepresstes ist dichter, derselbe Becher wiegt mehr
Den großen Sack für den kleinen HundKürzere Haltbarkeit, das Fett wird ranzig, bevor der Sack leer ist
In einem Tag umstellenDer Darm braucht den Übergang, sonst kommt die Antwort prompt
Das Wort kaltgepresst für ein Qualitätssiegel haltenEs ist nicht geschützt und sagt nichts über die Zutaten
Offen im Sack neben der Heizung lagernWärme und Luft beschleunigen genau das, was hier ohnehin schneller geht

So gehen Sie jetzt vor

1. Packung ansehenAnalytische Bestandteile in den Rechner oben, das gibt Ihnen den Stärkeanteil.
2. Zutatenliste lesenSteht dort aufgeschlossenes oder hydrothermisch behandeltes Getreide? Dann ist die Stärkefrage gelöst.
3. Am Hund prüfenVier Wochen füttern, dann Kot, Fell und Gewicht ansehen. Unsicher? Wir gehen es mit Ihnen durch.

Häufige Fragen

Ist kaltgepresstes Hundefutter besser als extrudiertes?

Pauschal nein. Es gibt keine Untersuchung, die eines der Verfahren zum Sieger erklärt. Belegt ist etwas anderes: Je schlechter die Stärke im Futter aufgeschlossen ist, desto schlechter verdaut der Hund die Nährstoffe. Eine Untersuchung an 53 Hunden aus dem Jahr 2025 zeigte bei 27,4 Prozent Aufschluss deutlich schlechtere Werte als bei 91,8 Prozent. Ein kaltgepresstes Futter mit vorher aufgeschlossenen Kohlenhydraten ist gut, eines mit rohem Getreide nicht.

Woran erkenne ich, ob ein Futter kaltgepresst ist?

Kaltgepresste Kroketten sind dichter und dunkler, sie sinken im Wasserglas und zerfallen dort, statt sich vollzusaugen. Der Test zeigt aber nur die Struktur, nicht die Qualität. Aussagekräftiger ist die Zutatenliste: Steht dort aufgeschlossenes oder hydrothermisch behandeltes Getreide, hat der Hersteller die Stärkefrage vor dem Pressen gelöst.

Warum steht der Stärkegehalt nicht auf der Packung?

Weil Stärke für Hunde kein lebensnotwendiger Nährstoff ist und deshalb nicht deklariert werden muss. Das haben Forscher der Kansas State University 2020 an zwanzig handelsüblichen Futtern festgehalten. Dieselbe Arbeit nennt die stickstofffreien Extraktstoffe als guten Schätzer, und die lassen sich aus den Pflichtangaben ausrechnen. Genau das macht der Rechner auf dieser Seite.

Quillt kaltgepresstes Futter im Magen auf?

Kaltgepresste Kroketten saugen sich im Napf weniger voll als extrudierte, sie zerfallen eher. Ob sich das im Magen genauso verhält, ist damit nicht gesagt, dazu haben wir keine belastbare Messung gefunden. Unabhängig vom Verfahren gilt: hastige Fresser bremsen, nach dem Fressen Ruhe, und bei großen Hunden mit tiefem Brustkorb auf Anzeichen einer Magendrehung achten.

Wie lange ist kaltgepresstes Hundefutter haltbar?

Kürzer als extrudiertes. Die niedrigere Temperatur bei der Herstellung und die höhere Dichte begünstigen, dass das Fett ranzig wird. Kaufen Sie kleinere Gebinde, lagern Sie kühl und trocken, und halten Sie sich an das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Packung.

Muss ich die Futtermenge beim Wechsel anpassen?

Wahrscheinlich ja, wenn Sie nach Volumen füttern. Kaltgepresste Kroketten sind dichter, derselbe Messbecher wiegt mehr. Wiegen Sie ab statt zu schöpfen, und rechnen Sie den Bedarf Ihres Hundes einmal sauber durch. Der Energiegehalt der beiden Futter kann sich zusätzlich unterscheiden.

Was kostet die Futterberatung bei Ihnen?

Nichts. Sie ist kostenlos und unverbindlich, auch wenn Sie danach nichts bestellen.

Wir sehen uns Ihre Packung gemeinsam an

Wenn Sie die Zahl aus dem Rechner haben und nicht wissen, was sie für Ihren Hund bedeutet, gehen wir das mit Ihnen durch: was auf Ihrer Packung steht, was davon zählt, wie Ihr Hund darauf reagiert und was sich ändern lässt.

Kostenlos und unverbindlich. Ihre Anfrage geht an eine Beraterin oder einen Berater aus unserem Team. In unserem Team arbeiten Ernährungsberater, Tierärztinnen und Tierärzte, Tierphysiotherapeuten, Tierheilpraktiker und Züchter. Wir behandeln nicht und stellen keine Diagnosen, das bleibt bei Ihrer Tierärztin.